Ich sehe mich immer noch an einem Fenster sitzend. Vor mir das Meer. Eine Kerze, eine Tee und ich höre nichts außer das Rütteln des Windes an dem in die Jahre gekommen Haus, in dem ich mich befinde. Die Zeit ist irrelevant und ich sitze nur und schreibe. Es fließt aus mir heraus, weil genau das mein Talent ist. Meine Gabe an die Welt und wenn ich sie nutze, dann verliere ich mich in ihr, die Worte schreiben mich. Ich lächle und weine während meine Finger und die Tasten und Buchstaben ineinander greifen.
Vielleicht werde ich da eines Tages sitzen. Wer weiß. Aber würde es mich zu einer besseren Autorin machen?
Ich habe bisher vieles geschrieben und sogar schon mein drittes Buch, doch noch nie saß ich dabei an diesem Ort oder einem vergleichbaren. Das erste Buch „Frauen, die keinen Punkt machen wo Gott ein Komma setzt“ schrieb ich im ersten Lebensjahr meiner zweiten Tochter. Mein Sohn war nur 15 Monate älter als sie und wie ich es machte, weiß ich immer noch nicht. Ich las, weil ich hungrig war, recherchierte weil ich es selbst wissen wollte. Ich schrieb dieses Buch als eigene Auseinandersetzung mit meiner Rolle als Christin, Mutter und Frau mit Führungsqualitäten. Es war ein gutes Buch mit furchtbarem Titel und unpassendem Cover. Deshalb bin ich auch gar nicht so traurig, dass es nicht mehr verlegt wird. Vielleicht war es für diese Zeit. Und diese Zeit war wild. Ich schrieb in sowieso kurzen Nächten, ich schrieb trotz schmutzigem Küchenboden, ich schrieb während Nickerchens und dachte weiter während ich kleine, müde Kinder den Alsterkanal entlang schob. Doch nie war es still und nie hatte ich endlos Zeit. Und dennoch schrieb ich.
Mein zweites Buch „Weit weg, zu mir zurück“ schrieb ich in Äthiopien. Ich hätte es nirgends als nur mitten drin schreiben können. Manchmal dachte ich, ich hätte es im Rückblick schreiben sollen. Vielleicht tue ich das auch nochmal. Doch das ist ein ganz anderes Buch. Eine vollkommen andere Geschichte. Da mitten drin, zwischen Eingewöhnung, Umzugskisten, Krankheit, Kulturschock und Einsamkeit, da konnte ich Dinge schreiben die so tief auf dem Boden meiner Seele lagen, dass ich sie sonst nie entdeckt hätte. Auch dieses Buch wird nicht mehr aufgelegt, es gibt glaube ich noch einige reduzierte Exemplare. Auch darum bin ich nicht traurig. Denn einiges glaube ich heute anders, interpretierte ich in der Zwischenzeit neu und würde ich anders schreiben, im Licht meines heutigen Lebens. Doch eins ist klar: Es war nie still. Der Muezin sang sogar die Nächte durch in denen ich schrieb, Kinder rannten durch unser Dorf mitten in der Hauptstadt, Autos hupten, Grillen zirpten und immer wieder kam jemand vorbei und unterbrach mich. Es war niemals still und nie hatte ich endlos Zeit. Und dennoch schrieb ich weiter.
Das aktuelle Buch „Ein neuer Herzschlag. Worte, die dich halten, während du dein Kind hältst“ schrieb ich in absoluter Verletzlichkeit. Ich schrieb es vor der Geburt, nach der Geburt, blutend und weinen, lachend und verliebt. Ich schrieb es zuallererst für mich. Schrieb mir selber Worte, die ich gebraucht hätte als ich das erste Mal Mutter wurde. Und hier saß ich mit meinem vierten Baby und heilte während ich mir selbst zusprach. Ich schrieb alles auf, all die Liebe und Vollkommenheit und all den Schmerz und die Zerbrechlichkeit. Und irgendwann schrieben Katharina und Alyssa mit. Wir schrieben an unaufgeräumten Esstischen, stillend, auf Kinderzimmerböden, nebenbei tröstend und nachts erschöpft an der Bettkante. Wir lasen einander vor und ließen gerührte Tränen laufen, während wir durch die Worte der anderen heilten. Wir fanden Nora als Fotografin und erlebten wie ihre Bilder so selbstverständlich visualisierten was wir schrieben. Milli’s Job als Grafikerin bekommt am Ende vermutlich den wenigstens Applaus, doch wenn wir ehrlich sind hat sie allein einen großen Teil des Buchs überhaupt möglich gemacht – unter anderem die Veröffentlichung im Januar. Ich erlebte, wie viele Absprachen es für so ein Projekt mit so vielen Menschen braucht und wie viel Zeit das kostet. Und ich erlebte die Kraft der Verbundenheit und die Schönheit die daraus entsteht, wenn wir uns zusammen tun. Dieses Buch ist nicht für eine Zeit geschrieben glaube ich. Ich wünsche mir tatsächlich, dass es ein Buch wird, dass man standardmäßig an seine schwangere Freundin, Tochter und Schwester verschenkt. Es ist für Frauen vor, während und nach der Geburt geschrieben. Nicht nur für Erstgebährende. Und unser gegenseitiges Erleben von den Texten der anderen, lässt mich glauben, dass es ein heilsames, verbindendes Buch für jede Mutter ist. Egal wie lange das her ist. Das was da drin steht, das ist zeitlos wertvoll. Das was da drin steht, das musste ich hören, das hat mich geheilt. Und das wünsche ich dir auch!











Gestern sah ich die Dokumentation zu „60 Jahre Harpe Kerkeling“. Und auch er sprach über die Verletzlichkeit und seine Offenheit in seinen Büchern und über die Frage, ob er so manches seinen Leser:innen zumuten kann und auch darüber, wie sehr der Schmerz ihn selbst nochmal berührte während er schrieb. Und dann schloss er ab: „Aber nur was mich berührt kann auch andere berühren.“ Und genau deshalb entscheide auch ich mich immer wieder, mich verletzlich zu zeigen. Denn ohne Verletzlichkeit macht es keinen Sinn. Eine Autorin wird man nicht durch das Setting in dem man schreibt, sondern durch die Tür zur eigenen Innenwelt die man anderen öffnet.
Vielleicht werde ich eines Tages in einer Hütte mit Blick aufs Meer sitzen. Wer weiß. Doch zu einer besseren Autorin wird es mich nicht machen.
Auch in diesem letzten Buchprozess war es niemals still und nie hatten wir endlos Zeit. Und dennoch schrieben wir. Vermutlich sind das einfach die Bücher, die wir brauchen. Die die aus dem Leben geschrieben wurden und nicht aus einer einsamen Hütte. Und vielleicht beutetet das auch tatsächlich Autorin zu sein. Immer mitten drin, oft unter Zeitdruck die eigene Seele den anderen schutzlos hinzuhalten. Denn nur aus dem Leben kann man Dinge schreiben, die auch das Leben der anderen berühren. Nur aus den echten Momenten der Liebe und Vollkommenheit und aus all dem Schmerz und der Zerbrechlichkeit.
Und damit wünsche ich euch frohe Weihnachten und freue mich total, über all eure Vorbestellungen! Um den 13. Januar 2025 herum erscheint das Buch und sobald ich es habe, werde ich es versenden. Wer jetzt in meinem Shop vorbestellt, bekommt automatisch eine Gutscheinvorlage zum Download gesendet, die ihr verschenken könnt, bis das Buch da ist.
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Liebe Sarah, ich freue mich immer sehr über deine Texte und dass Gott dir diese Gabe geschenkt hat.
so schön, dass du deine Krise bewältigen konntest und den Glauben nicht verloren hast!
bleib so authentisch und lebensfroh!
fröhliche Weihnachten
Lg Anke
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